Weblog-Archiv für 28. März 2007

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nutz & nichtsnutz

März 28, 2007

frankfurt. (jr) heute in den frühen abendstunden kam es in einem frankfurter kaufhaus zu einem folgenschweren zwischenfall:  ein kunde wollte wissen, wo das unsichtbare garn zu finden sei. worauf ein anderer kunde in einen leeren gang deutete und sagte: “fragen sie doch die unsichtbare verkäuferin.” dies amüsierte ersteren so sehr, dass er einen heftigen lachkrampf erlitt, den der eilig herbeigerufene haussanitäter durch das vorlesen aus broders mein kampf “hurra wir kapitulieren” erfolglos einzudämmen versuchte. erst der einsatz einer m&m-kolumne aus der “welt” führte zu einer besserung.  auf anfrage dieses blogs bestätigte ein unternehmenssprecher, dass weder garn noch verkäuferin aufgefunden werden konnten, jedoch alles menschenmögliche getan werde, das rätsel zu lösen.

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fiffis letzte reise

März 28, 2007

diesen tag fürchten alle haustierhalter: der hund, die katze, der hamster, der goldfisch oder eben der troll stirbt. nachdem der erste schock über den verlust des tieres überwunden ist, stellt sich die frage: wohin mit dem verstorbenen haustier? für die entsorgung und gibt es einige möglichkeiten, aber auch einige vorschriften.wenn das tier eingeschläfert werden muss, kann der besitzer direkt beim tierarzt abschied nehmen. er wird die leiche der nächsten tierkörperbeseitigungsanstalt (tba) übergeben. falls rex und co. zu hause gestorben sind, kann jeder die tba auch selber anrufen. meistens innerhalb von 24 stunden kommt ein mitarbeiter vorbei und holt das tote tier gegen gebühr ab.

wer keine kosten scheut, kann seinen treuen begleiter im schweizerischen tierkrematorium seon einäschern lassen. Nach einem anruf beim deutschen abholdienst wird der tierkörper abgeholt und in der schweiz eingeäschert. die kosten für transport und einäscherung beginnen bei 200 sFr , eine passende urne kann man sich ab 60 sFr aussuchen. „mit der urne darf der besitzer machen, was er will. er kann sie auch ins wohnzimmer stellen“, sagt seons transportverantwortlicher für deutschland. die firma bietet auch spezielle seminare zur trauerarbeit an.

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om. hartwich von den gutachslern

März 28, 2007

sauber recherchieren sollte man schon können. so jedenfalls wird das nix mit dem traum vom namensartikel in einem großen deutschen printmedium. wer eine institution “behörde” nennt, die gar keine “behörde” ist, nur, um sich mal wieder als besonders antietatistisch zu gerieren, der sollte sich in die propaganda-abteilung seines think tanks versetzen lassen. da ist er vermutlich besser aufgehoben.

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wiglaf droste in der jungen welt

März 28, 2007

jip. so isses:
>>Unter Gespenstern
Gesichter durchstreichen: Mit 16 durch den deutschen Herbst

Und wieder einer durchgestrichen, mit Kugelschreiber oder Filzstift ein Kreuz durchs Gesicht, von links oben nach rechts unten und dann von rechts oben nach links unten, und der Terrorist war ausgelöscht.

Das war Deutschland 1977: In jeder Bäckerei, in jedem Metzgerladen, in jeder Filiale der Post, der Banken und Sparkassen hing der Gruppensteckbrief mit den Fotos und Namen der RAF-Leute, und wenn die staatlichen Sicherheitsorgane einen zur Strecke gebracht hatten, dann konnten die guten Deutschen das mit dem Stift noch einmal selber tun: einen wegmachen, durchstreichen, und ab dafür.

Das war schockierender als das Schießen und Morden selbst: diese Genugtuung der Mitläufer, daß es wieder einen erwischt hatte, zum Ausdruck gebracht im Durchstreichen eines Gesichts. Daß ich den Landsleuten nicht trauen konnte beziehungsweise ihnen eben alles zutrauen mußte, hatte ich im Geschichtsunterricht gelernt. Die Praxis zeigte: Die Deutschen hatten sich nicht geändert. Die wollten immer noch ausmerzen. Mit dem Kugelschreiber – und dann hinterher beteuern, daß man doch gar nichts getan habe. Ein Volk von Eichmännern. So lernte ich sie kennen, die Deutschen, im Jahr 1977.

Kopf ab!

30 Jahre später erlebt Deutschland eine Gespensterdiskussion. Ausgelöst durch die Frage, ob inhaftierte RAF-Mitglieder, verurteilt wegen Mordes, nach Verbüßung ihrer Strafe begnadigt oder entlassen werden dürfen, erhebt sich bei Christiansen oder in anderen zuverlässigen Höllen der Gratismoral und Propaganda ein Geschrei von »Kopf ab!« und Gnadenferne, das einen weiteren Degenerationsprozeß der Deutschen dokumentiert. Was sie Zivilgesellschaft nennen, ist ungebremste Brutalität. Von den Motiven der Leute, die als Mitglieder der Bewegung 2. Juni oder der RAF militant einen Staat bekämpften, den sie als NS-Nachfolgeunternehmen analysierten, ist nicht mehr die Rede. An dem Tag, als Kurt Georg Kiesinger, ehemaliger Referent bei Joseph Goebbels, deutscher Bundeskanzler wurde, hatte nicht nur Ulrike Meinhof das Treiben der sauber entnazifizierten Nazideutschen satt.

Bommi Baumann, Mitglied der Bewegung 2. Juni, die sich nach dem Todestag des vom Polizisten Kurras am 2. Juni 1967 in Berlin erschossenen Studenten Benno Ohnesorg nannte, hat es in seinem zweiten Buch »Hi Ho« 1979 so beschrieben: »Es ging uns damals, da hat Ulrike Meinhof uns allen aus der Seele gesprochen, um Antifaschismus. Keiner will das begreifen, keiner spricht das aus. … Du kommst in Deutschland irgendwann an den Punkt, wo du über die Vergangenheit nachdenken mußt. Und wenn du begreifst, daß genau die, die dir sagen, wie du leben sollst, für die Greuel von damals verantwortlich sind oder ihren Blick abgewendet haben und nichts wissen wollten. Dann war das für uns der Punkt. Ich bin in dem Bewußtsein groß geworden: Ich hasse diese ganze Generation. Die Geschichte spricht sie nicht frei. … Wenn ich heute diese Sprüche höre, wie: Die 68er-Generation, die sind schlimmer als die Nazis – da kommt’s mir nochmal hoch. … Der bayerische Rechnungshof schreibt der Witwe von Herrn Freisler, daß sie selbstverständlich doppelte Rente bekäme, weil Herr Freisler ja auch in der Bundesrepublik Beamter geworden wäre.«

Davon ist in der Terrorismus-Begnadigungsdebatte 2007 kein Wort zu hören: daß, so mörderisch verrannt und falsch der »Bewaffneter Kampf« genannte Sturm im Wasserglas auch gewesen sein mag, es veritable Gründe gab, den deutschen Staat und seine Repräsentanten zu hassen und zu bekämpfen.

In den Osterferien 1977, ich war noch nicht 16, machte ich ein Schülerpraktikum bei einer Bank – meine Eltern hatten das für eine Idee gehalten. Täglich fuhr ich mit dem Mofa zur Arbeit und bewies dabei meine kriminelle Energie: Das führerscheinfrei fahrbare Mofa hatte ich, wie das damals hieß, »spitzgemacht«; mein Gefährt schaffte etwa die doppelte Geschwindigkeit der erlaubten 25 km/h. In der Bankfiliale wurde ich von einer älteren Dame betreut, die Zeugin Jehovas war und tatsächlich Frau Göttlicher hieß. Eines Mittags stürzte der Filialleiter in die Kantine. Er war außer sich und berichtete von der Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback. Dann verlangte er, daß alle zu einer Gedenkminute aufstehen sollten. Es war vollendet absurd – aber wie die Deutschen so sind, sprangen gleich alle auf. Frau Göttlicher blieb sitzen; diese weltlichen Dinge gingen sie nichts an, sagte sie, und auch ich müsse nicht aufstehen, wenn ich nicht wolle.

Zwar hatte sie mir zur Erbauung ein Buch mit dem Titel »Mache deine Jugend zu einem Erfolg« geschenkt, in dem sehr dramatisch und unfreiwillig hochkomisch vor den Gefahren der Sexualität und der Selbstbefleckung gewarnt wurde, sie hatte auch eine schwere religiöse Schacke, aber Mut hatte sie. Alle starrten sie an. Sie blieb sitzen, nicht demonstrativ, sondern mit einer Selbstverständlichkeit, die nicht zu erschüttern war. Ich blieb ebenfalls hocken. Weshalb hätte ich aufstehen sollen? Die als »Terroristen« Gesuchten erschienen mir als Robin Hoods. Sie jagten den Nazinachfolgern wenigstens Angst ein. So kam es mir mit 15 vor, mehr mußte ich damals nicht wissen.

Keine Trauer

Auch die Ermordung Hanns-Martin Schleyers löste bei mir keine Trauer aus. Schleyer war ranghoher NS-Wirtschaftsfunktionär und SS-Offizier gewesen, er hatte die Arisierung der tschechoslowakischen Wirtschaft betrieben, die Schmisse in seinem Gesicht kündeten von seiner studentischen Verbindungsschlägervergangenheit, und wenn es eine Person gab, in der die Kontinuität einer Nazikarriere in der Bundesrepublik sinnbildlich und beispielhaft war, dann war es Hanns-Martin Schleyer.

Auf Schleyers Ermordung folgte, was man den »Deutschen Herbst« nennt. Es war eine kollektive Finsternis. Sämtliche westdeutsche Medien beeilten sich, bei der »Nachrichtensperre« genannten Gleichschaltung freiwillig mit dabei zu sein. Es war der Initialpunkt für die Gründung der taz, der man das heute allerdings nicht mehr anmerkt. Allenfalls marginal unterscheidet sich das Blatt von den Gespenstermedien des Landes.

Humorlose Desparados

30 Jahre nach dem »Deutschen Herbst« ist alles in der landesüblichen Geschichts- und Bewußtlosigkeit versackt: die Hysterie, die Mordgelüste, das Durchstreichen von Gesichtern. Die Leute von der Bewegung 2. Juni und der RAF waren keine Robin Hoods – sie waren im Wortsinn Desperados, Verzweifelte. Das Umbringen anderer ist kein geeignetes Mittel zur Verbesserung der Welt – es hat so etwas Humorloses, und es dokumentiert das deprimierende Aufgeben aller Versuche, mit intelligenten Waffen weiterzukommen. Ich bin kein Mörder. Das macht mich nicht zu einem besseren Menschen, allerdings zu einem anderen.

An der kitschigen, verlogenen Erinnerungsfolklore, die um Siegfried Buback und Hanns-Martin Schleyer betrieben wird, möchte ich mich nicht beteiligen. Nach Schleyer ist in Stuttgart eine Mehrzweckhalle benannt worden, die architektonisch dem Hochsicherheitsgefängnis in Stuttgart-Stammheim ähnelt. So gesehen sind die Täter und die Opfer, die ihrerseits Täter waren, doch noch zusammengelegt worden.<<