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Mal ‘ne Frage an die Neoliberalen

Oktober 26, 2007

Update: Von Texten, deren Sätze über mehr als eine Zeile laufen, sind viele Leser heute überfordert. Dazu eine Anmerkung: Antworten solcher Dünnbrettbohrer interessieren mich nicht. Lieber keine, als so eine. :-)

Welches Eurer wirtschaftspolitischen Rezepte hat eigentlich bisher zum Erfolg geführt, wenn man das Statement des diesjährigen Preisträgers der Schwedischen Reichsbank berücksichtigt, dass die Ökonomie das Wohl aller im Sinn hat und gleichzeitig großzügig darüber hinwegsieht, dass bisher nur die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer wurden, seit die Doktrin der Monetaristen herrscht?

Na?

4 Kommentare

  1. In einem wirtschaftpolitischen Szenarium, das zunehmend geprägt wird durch pseudosoziale Tendenzen, begründet in einem immer höheren Anspruch des Staates angeblich christlich-sozialer oder sozialdemokratischer Prägung, der durch den Vorwand des Kampfes gegen den Terrorismus und der Notwendigkeit einer repräsentativen Demokratie, letztere bedingt durch immer komplexere Zusammenhänge aufgrund der Globalisierung und zunehmende Verschlechterung des Durchblicks des Normalbürgers, begründet wird, und der damit faktisch zu einer sozialkapitalistischen Diktatur durch Parteibonzen, Medienvertreter und Lobbyisten wird, nicht aber durch auch materiell voll von ihren Handlungen abhängenden Kapitaleignern und Unternehmern, sind Neoliberale der falsche Adressat für diese Frage.


  2. Lieber Gilbert, danke für die erschöpfende Antwort, welche vor allem klar macht, dass das neoliberal/monetaristisch denkende und handelnde Subjekt an sich überhaupt nicht verantwortlich zu machen ist für seine Handlungen und ihren Einfluss auf die Regierenden, da es sich per mangelndem charakter keiner politischen Partei zuordnen lässt,insofern auch nicht verantwortlich gemacht werden kann für das Scheitern der intendierten und umgesetzten wirtschafts- und finanzpolitischen Maßnahmen, die es selbst universitär erarbeitet und zu universalen Wahrheiten erhoben hat.

    Prima, Hauptsache, man findet einen oder besser mehrere Schuldige für das eigene fundamentale Scheitern.


  3. Manches am diesjährigen Ökonomiepreisträger ist in meinen Augen sehr merkwürdig - seine jüngst geäußerten Vorstellungen zur deutschen Wirtschaftspolitik, soweit sie im SpOn dargestellt wurden, sind an tölpelhafter Grobschlächtigkeit kaum zu übertreffen.

    Vielleicht wurde der Mann auch falsch wiedergegeben, nun, aber es wäre nicht gerade untypisch, wenn er als Wirtschaftswissenschaftler in sozialer Hinsicht blind wäre. So wundert er sich angeblich, dass man in Deutschland “ohne Arbeit überleben” könne. Vermutlich hatte er da weniger reiche Erben im Sinn oder Sozialschmarotzer in den höheren Konzernetagen, sondern andere, bei denen er annimmt, das diese lediglich zu träge zur Arbeit seien.

    Schon merkwürdig - und es passt zu Deiner Frage.

    Ach, und als kurzer Versuch direkt zu Deiner Frage. Ich würde schon sagen, dass die Monetaristen (eher noch als die in Folge aufgetretenen Neoliberallas) einige beachtliche Verdienste haben. Sie bzw. ihre Wirtschaftsideen haben dazu beigetragen, dass die Finanzmärkte (sichtbar v.a. an geringeren Zinsniveauschwankungen und selteneren Wechselkurskrisen) verstetigt wurden. Sie haben sogar dazu beigetragen, eher indirekt, dass es an Finanzmärkten recht weit gehende Offenlegungspflichten gibt.

    Denn die Gearschten bei kapitalistischen Krisen sind oft die Falschen. Intransparenz ist ohnehin von Übel.

    Eine Idee, wie Lobbyisten und ökonnomische Interessenvertreter bei der Ausräuberung des Staatswesens gehemmt werden können, hatten sie nicht. Auf viele Fragen hatten die Monetaristen keine Antwort, und falls doch, dann in einer “Professor-Sinn-Qualität”.

    Wenn (inflationsbereinigt) in den USA zwischen 1975 bis 2005 die realen Löhne im Median nur rund (lässt sich methodisch teils nur schlecht ermitteln) 20 Prozent angestiegen sind, während sich die Produktivität und das BIP/Kopf sich fast verdoppelten, dann müssten eigentlich alle Alarmglocken schrillen. Wenn das amerikanische Gesundheitssystem im Wesentlichen ein überteurer Trümmerhaufen ist, der rund 20% des Landes unversichert lässt, ist das eine Schande für ein zivilisiertes Land - und auch eine Schande für eine Ökonomenzunft, die hier keine Antworten weiß.

    Es sei denn, die einseitige wie unnötige Bevorzugung von Eliten und Wohlhabenden wäre Sinn aller Ökonomik.


  4. “Es sei denn, die einseitige wie unnötige Bevorzugung von Eliten und Wohlhabenden wäre Sinn aller Ökonomik.” Das ist sicher nicht der Sinn aller Ökonomik, aber der Sinn der Ökonomik Hayek’scher Prägung. Der übrigens seinen Lebensabend nur deshalb an der Freiburger Uni verbracht haben soll, weil er nach deutschem Professorenrecht eine Pension bekam, die er in den USA nicht bekommen hätte.


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