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Die Neolibbies und ihr merkwürdiges Verhältnis zur Demokratie

Oktober 29, 2007

Im Folgenden poste ich ein längeres Zitat aus Butterwegge/Ptak/Lösch’s Untersuchung “Kritik des Neoliberalismus” (Seite 236ff), das sehr klar aufzeigt, dass die Bestrebungen der neoliberalen Wirtschaftswissenschaftler unserer Tage genau die Ziele verfolgen, die ihr Mentor Friedrich August von Hayek vorgegeben hat. Er, der bekennende Demokratieskeptiker und Pensionsabgreifer, der zur Durchsetzung seiner Ziele auch die Diktatur akzeptierte wie später ganz praktisch Milton Friedman’s Chicago Boys in Chile wäre stolz auf die Jungens, die obendrein in der Tradition des Nazi-Theoretikers Carl Schmitt stehen.

Der Neoliberalismus ist keineswegs eine anonyme Bewegung, im Gegenteil: ganz konkrete Personen arbeiten an der Aushöhlung und Abschaffung unseres parlamentarischen Systems zu Gunsten der “Eliten”- damit sind wohl solche mutmaßlichen Spesenritter wie Ex-Bertelsmann Weidenfeld, die Nazi-Profiteure Quandt, der größte Kapitalvernichter aller Zeiten Schrempp, InfineonSchumacher und viele andere Versager gemeint - und die Wirtschaftskonzerne. Wenn hier Namen auftauchen, die manchem von der rechts”liberalen” Straßenseite Kleinbloggersdorfs bekannt vorkommen, ist das sicher kein Zufall, sondern ein Hinweis darauf, dass es nicht nur im rechtsextremen Spektrum Netzwerke gibt, die unsere Demokratie zerstören wollen, sondern auch mitten unter uns - in den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten unserer Universitäten und nicht nur dort in Heidelberg, Mannheim, Freiburg oder München.

Der Beitrag soll dazu dienen, bisher versteckte, akademische Ansätze für “Politikberatung” wie es so schön euphemistisch heißt und eine Denkrichtung ans Licht einer breiteren, bloggosphärischen Öffentlichkeit zu bringen und damit einer breiteren Schicht von Demokratinnen und Demokraten die Möglichkeit zu geben, den Bestrebungen der neoliberalen Demokratiezerstörer entgegen zu treten:

Weniger - statt mehr - Demokratie als neolibarale Maxime

Eine ‘tyrannische Bürokratie’ und ein ‘aufgeblähter’ öffentlicher Sektor, Trittbrettfahrerverhalten, die Vereinnahmung des Staates durch gesellschaftliche Interessengruppen, Informationsassymetrien und die Vergeudung von Ressourcen führen nach neoliberaler Auffassung zu Staatsversagen und machen die Unterordnung des Staates unter die Prinzipien des Marktes notwendig. Anstatt die Ausweitung demokratischer Prinzipien mit dem Ziel einer Begrenzung der staatlichen Eingriffe in die Gesellschaft bzw. des privatwirtschaftlichen, ökonomischen Einflusses auf die staatliche Politik zu fordern, peilt das neoliberale Theoriekonzept den Abbau von demokratischen Strukturen an. Der Staat soll auf lange Sicht - wenn überhaupt - nur die Regeln aufstellen und die Rahmenbedingungen schaffen, die es der privaten Unternehmerschaft ermöglicht, ihr Ziel der Profitmaximierung zu verfolgen und im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

In der Übergangszeit bis zum neoliberalen Staat, der sich seiner sozialstaatlichen Aufgaben entledigt hat, ist allerdings ein autoritäter und ’starker’ Staat erforderlich, denn es gilt, die Fehlentwicklungen wohlfahrtsstaatlicher Politik zu korrigieren sowie die Gewerkschaften und das Parlament [...] zu beseitigen. Der ’schlanke’ Staat des Neoliberalismus wird also duch eine vollends abgemagerte Demokratie flankiert.

[...]

Demokratie reduziert sich im neoliberalen Denken auf die Abfrage von Meinungsbildern bzw. auf eine reine Abstimmungsmaschinerie. Im Mittelpunkt steht nicht der demokratische Prozess der Willensbildung, sondern allenfalls ein [wohl vorbereitetes, jr] Ereignis: der Wahlakt. Dieser wird in Analogie zu anderen Events betrachtet und hat einen ähnlichen Stellenwert wie jedwede x-beliebige [Bohlenshow, jr]. Demokratische Willensbildung ist in dieser Betrachtungsweise [...] nicht mehr vorgesehen, allenfalls in Form von politischer Manipulation durch gezielte PR- und Marketingkampagnen [ DU BIST DEUTSCHLAND!], keineswegs jedoch im Sinne politischer Bildungs- und gesellschaftlicher Aufklärungsarbeit oder gar öffentlicher Beratschlagung und Diskussion.

In diesem Zusammenhang ist auch die partielle Befürwortung direktdemokratischer Verfahren durch Neoliberale zu betrachten. Die Forderung nach Mechanismen direkter Demokratie verbleibt innerhalb der Logik, Demokratie entweder als plebiszitäre Legitimation einer Eliten- und Führerauswahl zu begreifen oder Marktmechanismen vollständig auszuliefern, sodass Demokratie als effizientes Mittel zur Erreichung von Sachentscheidungen fungiert. Das Schweizer Modell direkter Demokratie wird in letzter Zeit von verschiedenen Seiten als Prototyp vorgeschlagen, weil es modern, erfolgreich, entwicklungsfähig und insofern ‘exporttauglich’ sei (Vgl. z.B. Gebhard Kirchgässner/Lars P. Feld/Marcel R. Savioz, Die direkte Demokratie, München 1999; JAN SCHNELLENBACH/LARS P. FELD/CHRISTOPH A. SCHALTEGGER, The Impact of Referendums on the Centralisation of Public Goods Provision: A Political Economy Approach CESifo Working Paper Series No. 1803, 2006): Um individuellen Präferenzen am effektivsten Geltung zu verschaffen, stelle der direktdemokratische Weg eine optimale Organisationsform dar. Mit ‘direkter Demokratie’ ist im neoliberalen Denken jedoch nicht eine Ausweitung der politischen Partizipationsmöglichkeiten der BürgerInnen gemeint. Vielmehr geht es lediglich um eine weiteres Auszehrung des Staates, vor allem seiner demokratischen Einrichtungen, damit die Interessen der Wirtschaft und der gesellschaftlichen Eliten schneller zur Geltung gelangen können.

Die neoliberale Theoriebildung greift in ihrer Parlamentarismuskritik und mit ihren Forderungen nach einem ’starken Staat’ außerdem vorbehaltlos auf rechtskonservatives Gedankengut zurück. So hat der Staatsrechtler Carl Schmitt bereits in den 1920er Jahren den Versuch unternommen, Demokratie ihrer ursprünglichen Bedeutung als Herrschaft des Volkes zu entledigen…”

“Biographical Notes”: [auf Wunsch gelöscht, jr, 1.11.07]

16 comments

  1. [...] Okt 30th, 2007 by insmwatchblog Beim Professional Slacker gibt es dazu einen interessanten Beitrag: [...]


  2. Sind Feld und Schnellenbach identisch mit den neoliberalen ************ ******* * *******? [bitte nicht zu konkret werden ;-), jr]


  3. Diese Verschwörungstheorien bringen uns keinen Schritt weiter.
    Das chilenische Beispiel wird zwar gerne genommen, viel Interesse an der - übrigens sehr interessanten - politischen und wirtschaftlichen Entwicklung dieses fernen Landes ohne Staatsverschuldung und regiert von einem weiblichen Folteropfer existiert offenbar nicht.
    Deshalb hier ein spannender Lesetipp: sicherlich ausgewogen, um die Diktatur und die Rolle der Chicago Boys besser zu verstehen: http://www.amazon.de/gp/product/0393309851/028-4238127-3721314
    Selbst in Chile schaffte der “Neoliberalismus” keineswegs die Demokratie ab. Vielmehr fand eine nachhaltige ziemlich bemerkenswerte Re-Demokratisierung statt und die gewählte sozialistische Präsidentin wird nun ihrerseits von radikalen Kräften als neoliberal beschimpft.
    In der empirischen Wirklichkeit existiert ganz bestimmt eine positive Korrelation zwischen einem geringen Ausmaß der staatlichen Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen und dem Demokratie-Grad der Gesellschaft. “Neoliberale” Ideen wurden in der Realität von sehr verschiedenen Leuten umgesetzt: Konservative, Liberale aber auch Sozialdemokraten in Schweden, Spanien, UK, Deutschland und Südamerika. Sind die denn alle Bestandteil der Verschwörung?


  4. “Selbst in Chile schaffte der “Neoliberalismus” keineswegs die Demokratie ab.”

    Das ist wahr.

    *bruhahaha*

    “In der empirischen Wirklichkeit existiert ganz bestimmt eine positive Korrelation zwischen einem geringen Ausmaß der staatlichen Eingriffe in das Wirtschaftsgeschehen und dem Demokratie-Grad der Gesellschaft.”

    Ganz bestimmt. Man muss nur feste dran glauben.

    “‘Neoliberale’ Ideen wurden in der Realität von sehr verschiedenen Leuten umgesetzt: Konservative, Liberale aber auch Sozialdemokraten in Schweden, Spanien, UK, Deutschland und Südamerika.”

    Dem Neoliberalismus ist es Wurscht, wer seine Ideen umsetzt und korrupte Politiker findest Du in allen Lagern. Nur: Erfolg im Sinne einer Verbesserung der gesamtgesellschaftliche Lage hatte bisher noch kein einziger.

    “Sind die denn alle Bestandteil der Verschwörung?”

    Verschwörung? Wer redet hier von Verschwörung? Die Neolibbies betreiben den Systemwandel ganz offen.


  5. Die Lage UKs ist nach Thatcher deutlich besser als in vor Thatcher.
    In Spanien hat auch in Folge einer Liberalisierung des Arbeitsmarktes die Arbeitslosigkeit von 20% auf unter 10% abgenommen.
    In der Slovakei gabs einen massiven Aufschwung, nachdem “neoliberale” Wirtschaftspolitiker dort an die Macht kamen.
    Chile hat in fast 25 Jahren der Orientierung nach wirtscahftsliberalen Leitbildern ein stetiges Wachstum. Seit 1984 keine dramatischen Krisen mehr. Und das ist besonders im regionalen Umfeld bemerkenswert. Ausserdem freuen sich die Folgegeneration über nicht vorhandene Staatsverschuldung.
    In Indien konnte sich die äußerst erfolgreiche und wissensgestützte Exportwirtschaft erst nach der Öffnung der 90er Jahre richtig entwickeln.
    Neusseland und Australien sind inzwischen ein beliebtes Auswanderer-Ziel für viele Deutsche.

    Welche Beispiele für mittel- oder langfristig erfolgreiche anti-neoliberale Regierungen gibt es? :-) Ich fürchte kein einziges.


  6. Soso. Den Engländern geht’s nach Thatcher besser als vor Thatcher. Das erzähl mal den Leuten, die täglich mit der Bahn nach London fahren (müssen). Oder den Leuten, denen die Wasserversorgung privatisiert wurde (Thames Water). Erzähl das den Bergarbeitern in Wales. Erzähl’ das den Bewohnern der Ghettos (Brixton ein Begriff?).

    In Spanien hat sich die Lage eher auf Grund massiver EU-Subventionen verbessert als in Folge neoliberaler Ideen. Was die Neoliberalen dort erreicht haben, sind explodierende Wohnungspreise.

    In der Slowakei hätte jeder Furz zu einem Aufschwung geführt nach 40 Jahren Kommunismus. Das einzige Verdienst der NEoliberalen ist hier, dass das Bankenwesen komplett in ausländischer Hand ist.

    Chile ist in der Tat ein neoliberales Musterland: einer kleinen Schicht geht’s prima, der Rest wühlt im Dreck. Chile ist das Land in Südamerika mit den größten sozialen Ungleichheiten.

    Indien. Ja Indien. Kriegst du Deine Gehaltsabrechnung auch schon aus Bangalore? Wie viele Hundert Millionen Analphabeten gibt es da? wie viele Kleinbauern, die nicht leben und nicht sterben können?

    Neuseeland und Australien waren schon vor 25 Jahren beliebte Auswanderziele für Deutsche. Das hat mit Neoliberalismus Null und Nichts zu tun.

    Zu Deiner letzten Frage: Wenn der Neoliberalismus seit mehr als 30 Jahren die beherrschende Ideologie ist und sie so segensreich ist, warum verreckt dann immer noch jede Sekunde ein Kind auf der Welt an Hunger?

    Im Übrigen möchte ich Dich bitten, on topic zu kommentieren.


  7. In UK lebt ja nicht jeder in Armut. In jeden Fall hat der Erfolg Thatchers letztlich auch zu einer liberalen Wirtschaftspolitik von Labour geführt.
    In Chile gibts natürlich nach wie vor auch Armut, aber wenn ich in den letzten Jahren dort gewesen bin, hatte ich nicht den Eindruck, dass meine Mittelstands-Freunde dort “im Dreck wühlen”. Der Gini-Koeffizient hat sich in den letzten Jahren verbessert und war auch 2003 im regionalen Vergleich besser als der vieler Nachbarn
    (https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/fields/2172.html). Die absolute Armut konnte in den letzten 30 Jahren deutlich gesenkt werden. In Santiago gibts eine Menge illegaler peruanischer Wirtschaftsflüchtlinge. Will da nix beschönigen, aber für die gehts eben noch schlimmer. Angesichts staatlicher Codelco und sozialistischen Präsidenten seit ca. 1998 kann man auch wirklich nicht von einen “neoliberalen Musterland” sprechen.
    In Indien entsteht zumindest ein Mittelschicht, die btw. auch dazu tendiert das Kastensystem aufzuweichen.

    Ich sag ja gar nicht, dass “der Neoliberalismus” Wasser in Wein verwandeln kann. Viele Länder haben aber einfach ihre Wirtschaftspolitiken liberalisiert, nachdem das andere nur zu Vetternwirtschaft, Missmanagement und noch mehr Ungleichheit geführt hat.


  8. “Viele Länder haben aber einfach ihre Wirtschaftspolitiken liberalisiert, nachdem das andere nur zu Vetternwirtschaft, Missmanagement und noch mehr Ungleichheit geführt hat.”

    Wie ging’s noch gleich? Die drei von der Gasprom-Tankstelle?


  9. Ja, das ist schon bemerkenswert was die Inder geschafft haben seit der Öffnung der Märkte, so wurden z.B. die sinnlosen Ausgaben für Lebensmittelbevorratung stark zurückgefahren – seit 2005 dürfen auch die Privaten mitspielen, die sind natürlich viel effektiver, zahlen erst mal mehr schließen den Speicher ab und warten. Fördert natürlich den Handel, seit letztem Jahr importieren die Inder wieder Weizen, zum Beispiel von der gleichen international tätigen Gesellschaft die in Indien die Märkte geräumt hat. Handelszusagen erhielt Indien erst, nachdem die Qualitätsstandards bezüglich Pestizidbelastung und einiger anderer Kleinigkeiten zurückgefahren wurden, ist ne schlechte Zeit für Weizenkäufer mit nem Haufen Hungernder im Nacken. Friss oder stirb, haben die Amis den Sambiern auch erzählt als die vor einigen Jahren ihren Scheiß nicht haben wollten.

    Ach ja, die durchschnittliche Kalorienmenge in Indien liegt heute wieder bei den Werten aus der Zeit der Hungersnot in Bengalen im Jahre 1943. Offizielle Schätzungen sprechen von ca. 320 Millionen Hungernden und Mangelernährten, der Anteil derer die sich mit weniger als einem Dollar (Durchschnitt liegt bei 20Rs=0,5$) gerade so durchschlagen, soll nach Angaben des Ernährungsexperten D. Sharma bei etwas über 800 Millionen liegen.

    Wenn der erste Wert einigermaßen zutrifft, leben mehr als ein Drittel der weltweit Hungernden in Indien.

    120Millionen Kinder sind auf eine kostenlose Schulspeisung angewiesen, konsequenterweise überlegt die Zentralregierung nun, die Preise für das für diesen Zweck vorgesehene Getreide zu verdoppeln – Richtung Marktniveau, so wie es jeder gute NeoLiberale immer fordert.

    Sind verdammt hohe Zahlen, was schließen wir daraus? Es gibt einfach zu viele Inder aber der NeoLiberalismus hat sich, wie man sehen kann, der Lösung dieses Problem angenommen.


  10. Soviel zum dem haltlosen Geschwätz von SaltofTheEarth, würd’ ich mal sagen.


  11. Bin ich froh, dass ich nicht neoliberal bin (wofür steht denn auch das “neo”?) sondern nur liberal. Das was in dem Blog dargestellt wird, ist aber auch keine Darstellung des Neoliberalismus, sondern eine seltsame Vermischung verschiedener Ideologien (Konservativismus, Sozialismus) und Theorien (Verschwörung insbesondere).
    Was ist Demokratie? Welches Volk herrscht worüber? Muss überhaupt jemand / etwas herrschen? Das was wir zurzeit haben wohl nicht (Herrschaft einer etablierten Minderheit über die Mehrheit — ein Aufbau von neuen Parteien ist fast nicht möglich und die Mitarbeit in den beiden großen sehr schwer).
    Das Ziel des Liberalismus ist ein schlanker Staat, der die Rahmenbedingungen schafft (Minarchismus) oder gar kein Staat (Anarchismus), sicherlich aber kein Abfragen von Meinungsbildern, denn das können Private besser als irgendein Staat.
    Eliten- und Führerauswahl wollen wir auch gerade nicht (!), denn die Herrschaft von Menschen über Menschen wird vom klassichen Liberalismus abgelehnt.
    Was “Feld und Schnellenbach” mit Liberalismus zu tun haben, ist mir auch nicht so ganz klar.

    @balou: Wieso sollte ein Staat (!) Preise Richtung Marktniveau anheben? Welche Quellen liegen den Aussagen zu Grunde? Eine Schulspeisung für Kinder könnte sicherlich auch privat organisiert werden… schon deshalb, da es Organisationen wie Kirchen daran liegt, die Schulen zu fördern und zu unterstützen… Und wenn es keine staatliche, “demokratische” (!) EU gäbe, die Getreibe, Butter und andere Dinge vernichtet, würde es sicher auch besser für Inder reichen — und gleichzeitig wahrscheinlich zu einem niedrigeren Preis angeboten. Mehr Angebot (ohne die künstliche Verknappung) bedeutet nämlich bei gleicher Nachfrage, dass der Preis sinkt — und das sollte im Regelfall auch ohne Uni-VWL-Studium nachvollziehbar sein,


  12. @SaltOfTheEarth: Falls Du noch Holzmedien liest, nimm mal die neueste ZEIT in die Hand. Da gibt’s einen Artikel über Indien auf Seite 3…


  13. Welche Beispiele für mittel- oder langfristig erfolgreiche anti-neoliberale Regierungen gibt es?

    Norwegen, Island, Finnland, eingeschränkt Schweden (der dortige Rückbau sozialstaatlicher Maßnahmen stellte eine Parallele zum Neoliberalismus dar, der schwedische Staat ist aber deswegen nicht insgesamt neoliberal), Japan, Südkorea, Israel….


  14. Habe es leider erst jetzt entdeckt, sorry. Fange einfach mal hinten an.

    Mehr Angebot (ohne die künstliche Verknappung) bedeutet nämlich bei gleicher Nachfrage, dass der Preis sinkt — und das sollte im Regelfall auch ohne Uni-VWL-Studium nachvollziehbar sein

    “Mehr Angebot […] bedeutet nämlich bei gleicher Nachfrage, dass der Preis sinkt, …”

    das hab ich auch mal an der Uni gelernt, kann mich noch schwach erinnern, meine letzte ordentliche VWL Vorlesung liegt allerdings fast 30 Jahre zurück, war auch kein VWL Studium.

    Ist mir auch nicht bekannt, dass ich diese Aussage irgendwo in Frage gestellt hätte. Wenn wir also davon ausgehen, dass die Aussage zutrifft, muss ich doch, will ich einen möglichst hohen Preis erzielen, logischerweise die Mengen kontrollieren (z.B. durch Lagerung, ich hab meine Ernte, wenigstens ein Teil davon, wenn es möglich war auch erst im Winter oder Frühjahr verkauft – warum wohl?) oder manipulieren, da reichen in bestimmten Situationen schon Gerüchte aus, sagt man zumindest und an den Börsen soll es so was ja auch schon gegeben haben.

    ohne die künstliche Verknappung – Mann, Du willst doch die Suppe nicht ohne Salz servieren oder gar den Markt regulieren oder abschaffen? Natürlich ist da was dran, künstliche Verknappung bzw. Angebotserhöhung werden natürlich auch durch die Tätigkeit von nationalen Vorratsstellen bedingt. Das ist kein Nebeneffekt, sondern es ist gewünscht, durch staatliche Aufkäufe während der Ernte und kurz danach werden die Preise angehoben und durch Verkäufe zu Zeiten knappen Angebots (vor der nächsten Ernte) werden die Preise gesenkt, das führt zu geringeren Preisschwankungen über das ganze Jahr, das ist für beide Seite, Verbraucher und Bauern, von Bedeutung, geht allerdings zu Lasten des Zwischenhandels, Spekulation ist nur noch halb so lustig wie bei einem Markt ohne Eingriffe und einer bedeutend höheren Preisvolatilität.

    Ich versteh ja, dass das den Liberalen nicht gefällt aber Du wirst mir nachsehen, dass mir das ziemlich wurscht ist. Warum? Versetze ich mich mal in die Lage eines indischen oder Afrikanischen Kleinbauern, so sieht die Sache so aus: nach der Ernte muss er verkaufen, z.B. weil er die Schulden aus der Vorfinanzierung der Ernte begleichen muss oder weil er nicht über angemessene Lagerkapazitäten verfügt, weil Rechnungen für sonst was aufgelaufen sind. Da steht die arme Sau nun nicht allein in der Indischen Pampa, Millionen Anderen geht es ebenso. Folge: Hohes Angebot, Niedrige Preise und im Normalfall ist dann der Händler gleichzeitig der Kapitalgeber und der macht jetzt das Geschäft seines Lebens, jedes Jahr aufs Neue, Billig kaufen und dann, wenn die Vorräte der Bauern (und Verbraucher) aufgebraucht sind, teuer verkaufen am besten auf Kredit. Hier setzen nun, stark vereinfacht und idealisiert, die Aufkäufe der Bevorratungsstellen ein, verhindern einen totalen Preisverfall direkt nach der Ernte und einen überproportionalen Preisanstieg vor der nächsten Ernte. So war es zumindest vor der Liberalisierung, heute sieht die Sache etwas anders aus, führt jetzt aber zu weit.

    Ich will hier kein Quiz veranstalten aber rat mal was die Briten als erstes verboten haben nachdem sie in Indien Fuß fassten und welche Folgen das hatte.

    Und wenn es keine staatliche, “demokratische” (!) EU gäbe, die Getreibe, Butter und andere Dinge vernichtet, würde es sicher auch besser für Inder reichen — und gleichzeitig wahrscheinlich zu einem niedrigeren Preis angeboten.

    Schnee von Gestern, Getreide ist knapp und der Rest ebenso (Milchsee und Butterberg gibt es nur auf historischen Ansichtskarten, der Preis für Milchpulver ist international innerhalb eines Jahres um das Mehrfache gestiegen) Außerdem war und ist das verramschen unserer Überschüsse einer der Gründe für die Bedrohung der Subsistenzwirtschaft der Kleinbauern, mit Kind und Kegel bestimmt mehr 2Milliarden Menschen weltweit. Eine Exportoffensive z.B. Milch in Richtung Indien verringert den Hungern nicht, sondern verstärkt ihn. Warum? Ein großer Teil der stark wachsenden Indischen Milchproduktion erfolgt in 1-5 Kuh Kleinstbetrieben teilweise von Landlosen Familien am Rande der Städte, deren einzige Einnahmequelle ist weg. Der Feldversuch ist, zumindest in Ansätzen, bereits gelaufen oder in Arbeit.

    Wieso sollte ein Staat (!) Preise Richtung Marktniveau anheben?

    Indem er Marktteilnehmer ist und über ein entsprechendes Potential zur Beeinflussung von Menge und Preis verfügt. Hier ganz speziell durch seine Funktion als Zwischenhändler und dem, ganz böses Wort, Einsatz von Subventionen oder Abbau der Subventionen für den Ankauf des benötigten Getreides (siehe oben, sind in Indien allein für öffentliche Nahrungsmittelhilfen so an die 15Millionen Tonnen), d.h. der Abgabepreis an die, in den Einzelstaaten für dieses Programm zuständigen Behörden und Organisationen steigt.

    Welche Quellen liegen den Aussagen zu Grunde?

    Ne ganze Menge, der Einfachheit halber setze ich mal einen Link auf einen Artikel von Devinder Sharma, da ist das meiste drin:
    http://kisanbharat.blogspot.com/2007/09/hunger-stalks-rising-india.html
    bin davon ausgegangen das D. Sharma bekannt ist.

    Die Sache mit den Kirchen etc. überlese ich einfach mal. da ist unser Weltbild wohl doch zu verschieden.

    Wer wohl demnächst mal was dazu schreiben, ich hab es hier natürlich stark vereinfacht dargestellt aber in Anbetracht der massiven Ausswirkungen sollte man es wirklich mal intensiver betrachten.


  15. Die Sache mit den Kirchen - welche Rolle spielen die denn wohl im weitgehend hinduistischen Indien? Selbst eine Mutter Teresa war, bezogen auf die Gesamtbevölkerung, so relevant wie ein in der New African People´s Organisation organisierter Antidrogen-Streetworker in Harlem in Bezug zum Kollektiv “alle US-Amerikaner”.


  16. @SaltOfTheEarth

    Verschwörung??? Es geht hier nicht um eine “Verschwörung”, sondern um die real existierende Politik, die hochoffiziell und offen betrieben wird. Ausser, na ja, wenn der Schäuble zum Beispiel nur eine Verschwörungstheorie wäre - aber den gibt’s doch, oder… oder ist der nur so eine komische Halluzination…


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