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Die großen Erfolge der Marktextremisten

November 9, 2007

Heiko Geue, Leiter des Leitungsstabs im Bundesfinanzministerium versucht in der ZEIT zu ergründen, warum mehr und mehr Menschen dem Marktradikalismus einer mächtigen Minderheit ablehnend gegenüberstehen und skizziert ganz nebenbei die wesentlichen Felder, in denen die schöne Theorie vom freien Markt kläglichst versagt hat. Vielleicht ist es ja doch keine so gute Idee von den Wirtschaftsextretmisten, sich blind und sklavisch an die Vorlagen ihrer Vorläufer zu halten, die z.T. bereits seit Jahrzehnten die Radieschen von unten betrachten, um gar nicht erst von dem furchtbaren Schwätzer von der „unsichtbaren Hand“ zu reden, der in einer völlig anderen Welt gelebt hat, als wir es heute tun. Diese Leute sollten sich schleunigst überlegen, wie sie den Flurschaden, den sie bisher angerichtet haben, reparieren oder sich nachhaltigst in ihre Elfenbeintürme zurückziehen und sich nie wieder blicken lassen, geschweige denn „Politikberatung“ betreiben zu wollen! Es sei denn, sie wollten die Refeudalisierung der Gesellschaft bis zum Ende durchziehen.Dann aber sei ihnen gesagt: Die „Bauern“ von heute gebrauchen keine Dreschflegel mehr und diesmal werden sie die ersten sein, die an den „Laternen baumeln“.

Heiko Geue:

Erstens gibt es eine deutliche Ernüchterung über die Erfolge des Marktes. Liberalisierung und Privatisierung bringen nicht überall automatisch niedrigere Preise, bessere Qualität und eine höhere Beschäftigung. Damit das passiert, muss der Wettbewerb funktionieren und der Markt wachsen. Fehlt eine dieser beiden Voraussetzungen, leiden darunter zuallererst die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, recht bald aber auch die Kunden. Die Erfahrung lehrt, dass hohe Gewinne nicht automatisch zu mehr Arbeitsplätzen, besseren Produkten oder niedrigen Preisen führen. Beispiel Energiemarkt: Nach anfänglich deutlichen Preissenkungen erzählt zurzeit einer der dicksten Oligopolisten dem staunenden Publikum, dass das Luxusgut Energie aufgrund weltweiter Knappheiten auch in Deutschland teurer werden müsse – und das bei stabil hohen Gewinnen in der Branche.

Zweitens wurden bei wichtigen Privatisierungen fatale Fehler gemacht. Eines der ernüchterndsten Beispiele ist die auch in Deutschland wohlbekannte Privatisierung der britischen Eisenbahn. Anders als in Deutschland bislang geplant, wurde in Großbritannien auch das Schienennetz unter den Wettbewerbern aufgeteilt. Das konnte nicht gut gehen. Im harten Wettbewerb unterließen die Konkurrenten langfristige Investitionen in ihre Netze, um mit sinkenden Preisen Kunden ködern zu können, so lange, bis das Netz marode war und es auch noch wegen technischer Abstimmungsprobleme zu tragischen Unfällen kam.

Drittens gibt es ein unverkennbares Versagen der Wirtschaftseliten. In den letzten ahren konnte man viel über Managementfehler lesen, die Millionen von Menschen um ihr hart erspartes, unter anderem ihr in Aktien angelegtes Geld gebracht haben. Da wurden im großen Stil Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entlassen, Marktanteile verloren oder Aktienwerte vernichtet und gleichzeitig Managergehälter um ein Vielfaches in Schwindel erregende Höhen geschraubt. Wer Leistung predigte, konnte ohne Leistung noch kräftig verdienen. Auch bei katastrophalen Fehlschlägen erhielten Manager üppige Abfindungen.

Viertens haben die Volatilitäten, die Komplexität und die Unsicherheit auf den weltweiten Finanz- und Handelsmärkten stark zugenommen. Das macht den Menschen verständlicherweise Angst. Hedgefonds verfügen mittlerweile über ein Fondsvermögen von geschätzten 1,5 Billionen Euro. Staatsfonds bringen schon 2,5 Billionen Euro auf die Waagschale, Tendenz stark steigend. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung aller 30 DAX-Unternehmen schwankt um rund 900 Milliarden Euro. Mit einem flauen Ohnmachtsgefühl verfolgen viele Menschen die anschwellende Zahl von Unternehmensübernahmen, die sie irgendwann selbst ihren Arbeitsplatz kosten könnte.

Fünftens schließlich, fast schon banal, sind durch den größeren Anteil des Marktes die Fälle des Marktversagens deutlicher sichtbar geworden, zum Beispiel im Umweltbereich, aber auch bei der Kinderbetreuung oder in der Bildung. Bei diesen wichtigen Zukunftsthemen bietet der Markt entweder keine Lösungen an oder er ist wie beim Klimaschutz und dem weltweit rasant steigenden Energieverbrauchs selbst Teil des Problems.

In: Die ZEIT, 46/2007

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