Ich hasse Messer, auf denen man “nach Laramie reiten” kann. Die Messer, mit denen ich arbeite, müssen scharf sein. Richtig scharf.
Bisher habe ich auf Karbonstahlmesser geschworen, wenn’s in der Küche drauf ankam. Zwar rosten die leichter und brauchen infolgedessen sehr viel Pflege, aber sie sind wesentlich leichter zu schärfen und härter als Edelstahlmesser. Die ich zwar auch besitze, aber eigentlich nur fürs Grobe verwende. Sobald es ans Filigrane geht, wie gesagt: Karbonstahl. Nix andres. Bisher.
Schon vor ein paar Jahren habe ich in guten Haushaltswaren- und Waffengeschäften etwas entdeckt, was ich faszinierend fand: Messer mit Keramikklingen. Sie sollten die guten Eigenschaften von Karbonstahlmessern haben, ohne ihre Nachteile mitzubringen, nämlich Rostfreiheit (logo!) und auch eine andere zuweilen unangenehme Eigenschaft: Karbonstähle nehmen gern Gerüche an. Und: die Klinge sollte bei fachgerechter Behandlung nahezu verschleißfrei sein. Bereits damals war ich drauf und dran, mir so ein Teil zu kaufen, aber: die wirtschaftliche Venunft hielt mich davon ab. Der Preis für ein einfaches Küchenmesser sprengte bei weitem meinen Rahmen.

Jetzt habe ich mir versuchsweise eines aus der mittleren Preisklasse zugelegt, weil ich doch neugierig war, wie sich mit einer Keramikklinge arbeiten lässt. Und ich muss sagen: erstaunlich. Es ist leicht und hervorragend zu handhaben, scharf wie der Teufel und einfach zu reinigen. Mal sehen, wie sich der erste Schnitt in den Finger verhält: denn auch das ist ein Zeichen für die Qualität eines Messers: Je sauberer der Schnitt, desto schneller schließt sich die Wunde und desto besser verheilt sie.
Sollte die Klinge halten, was sie verspricht, werd’ ich mir wohl von der Restfamilie pro Jahr eins dieser Messer wünschen und verzichte dafür auf alles andere…